ZUR AKTUALITÄT DER HENGSTENBERG-ARBEIT
von Ute Strub
Für diejenigen, die sich für ihr
Zusammensein mit Kindern eingehend mit der Vorgehensweise von Elfriede
Hengstenberg beschäftigen wollen, ist es unerläßlich,
sich ebenso gründlich mit der Kleinkindpädagogik der
ungarischen Kinderärztin Emmi Pikler und der von ihr erforschten
autonomen Bewegungsentwicklung auseinanderzusetzen. Sie zeigt, zu welch
harmonischen Bewegungen der Säugling gelangt, wenn er sich seine
Entwicklung im freien Spiel selbst erarbeiten kann. Dazu gehört,
dass er bei der Pflege eine solch aufmerksame Zuwendung erfährt,
durch die sein Bedürfnis nach Geborgenheit und Liebe in diesen
täglich mehrfach wiederkehrenden Zeiten des Zusammenwirkens
gesättigt wird.
Die späteren Ungeschicklichkeiten oder
sogenannten Haltungsschäden der Kinder lassen sich oft daher
erklären, dass sie als Säuglinge und Kleinkinder bestimmte
Entwicklungsphasen nicht zur Genüge auskosten konnten. Das Kind,
das viel Zeit auf dem Schoß und in der Babywippe verbringt oder
herumgetragen wird, kann diese Vielfalt an Übergangspositionen
nicht ausprobieren, durch die es sich selbst zum Sitzen und Stehen
aufrichtet. Ebenso wenig wie es die verschiedenen Fortbewegungsarten
(Rollen, Robben, Kriechen, Krabbeln, Bären- und Kniegang)
ausreichend nutzt, bevor es zum freien Gehen kommt.
Der Mangel an aktiver Bewegung im Säuglings-
und Kleinkindalter, den man später häufig mit
Krankengymnastik und Schulsonderturnen auszugleichen versucht, muss
unsere Aufmerksamkeit darauf lenken, dass vor allem im Kindergarten
Zeit und Möglichkeit zum selbstständigen Nachholen und
Nachentfalten gegeben sind.
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